Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 17-39 - 20.10.2017

Kraftwerk Scholven unverzichtbar für die Industrie im nördlichen Revier

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) in der Emscher-Lippe-Region teilt die Sorgen der Betriebsräte der Uniper-Kraftwerke in Gelsenkirchen. Die Anlagen seien für die Industrie in der gesamten Region unverzichtbar. Eine Stilllegung würde nach Überzeugung des DGB wahrscheinlich in einer unaufhaltsamen Kettenreaktion viele andere Unternehmen mitreißen und die Deindustrialisierung weiter befördern.

„Es geht gar nicht mal so sehr um den Strom, der in Scholven produziert wird. Viel wichtiger sind weitere Produkte wie Industriedampf, Wärme und sogar der Gips, der in der Rauchgasentschwefelung anfällt und nebenan zu Gipskartonplatten verarbeitet wird. Das Kraftwerk steht am Anfang einer langen Kette von wertschöpfenden Industrieunternehmen“, begründet DGB-Regionsgeschäftsführer Josef Hülsdünker seine Sorgen. So sei beispielsweise der Raffineriestandort in Scholven hauptsächlich deshalb rentabel, weil er günstig Dampf aus dem Kraftwerk bekommt und Zwischenprodukte per Pipeline an weitere Unternehmen im Umfeld weiterreicht. Diese Verbundwirtschaft sei eine Besonderheit der Region, die Produktionsketten reichten bis in den Chemiepark Marl. „Eine Schließung des Kraftwerks Scholven wäre eine Katastrophe“.

Der DGB fürchtet nicht nur um die 1.200 Gelsenkirchener Arbeitsplätze, die direkt an den Kraftwerken hängen, sondern um den gesamten Industriestandort. In der Emscher-Lippe-Region seien bereits zehntausende Arbeitsplätze durch die fortschreitende Deindustrialisierung entfallen. Dem gelte es entgegenzuwirken und neue industrielle Arbeitsplätze anzusiedeln. „Die Industrie ist das Herz der Wirtschaft im nördlichen Revier. Sie darf nicht weiter einbrechen, wenn wir nicht noch ärmere Städte und noch mehr Langzeitarbeitslosigkeit haben wollen“, stellt Hülsdünker fest. Es gehe um weit mehr als eine eventuelle Übernahme von Uniper durch den finnischen Konzern Fortum.


Nach oben
Suchbegriff eingeben
Datum eingrenzen
seit bis