Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 17-24 - 08.08.2017

Leiharbeit erreicht 2016 eine neue Rekordhöhe und bringt große Nachteile für Betroffene

Die aktuellen Daten der Bundesagentur für Arbeit weisen einen weiteren Anstieg der Leiharbeit aus. 2016 waren im Durchschnitt bundesweit 991.000 Erwerbstätige in Leiharbeit beschäftigt. Das entspricht einer Zunahme von 41.565 Beschäftigten oder 4,4 Prozent gegenüber 2015. Erstmals wurden im Juni 2016 über eine Million Leiharbeiter/-innen gezählt. Damit sind knapp drei Prozent aller Erwerbstätigen in dieser Beschäftigungsform tätig. Auch die Anzahl der Verleihbetriebe ist um zwei Prozent auf 51.700 gestiegen.

In den Agenturbezirken Gelsenkirchen und Recklinghausen sind derzeit rund 5.500 Leiharbeitnehmer beschäftigt. Allerdings liegt ihre Anzahl unter dem Bundesdurchschnitt, weil in beiden Agenturbezirken weniger Produktions- und Logistikunternehmen vorhanden sind, in denen Leiharbeiter eingesetzt werden, als in anderen Industrieregionen. Im Kreis Recklinghausen war ihre Zahl gegenüber dem Vorjahr sogar leicht rückläufig, während sie im Agenturbezirk Gelsenkirchen leicht anstieg.

Der DGB kritisiert die hohe Zahl von Leiharbeitsverträgen. „Der aus unserer Sicht missbräuchliche Einsatz von Leiharbeitern betrifft zur Hälfte Produktionsberufe und zu einem Viertel Speditions- und Logistikberufe. Längst werden nicht nur Produktionsspitzen oder Krankheitsfälle damit abgedeckt, sondern systematisch Lohn- und Sozialdumping betrieben“, erklärt DGB-Regionsgeschäftsführer Hülsdünker die rasante Zunahme dieser Beschäftigungsform.

Für den DGB stellt die Unsicherheit dieser Beschäftigungsform das Hauptproblem für die Arbeitnehmer/-innen dar. Über 330.000 Leiharbeiter „wechselten“ laut Arbeitsagentur in 2016 in die Arbeitslosigkeit. Für Leiharbeiter ist damit das statistische Risiko arbeitslos zu werden fünfmal größer als bei Festangestellten.

Auch die Entlohnung der Leiharbeiter ist laut DGB eher beklagenswert. Auf jedem Qualifikationsniveau müssten Leiharbeiter mit weniger Geld auskommen. So verdienten im Durchschnitt Helfer 28 Prozent, Fachkräfte 26 Prozent, Spezialisten 16 Prozent und Experten 14 Prozent weniger als die festangestellten Kollegen. Der DGB fordert weitere Verbesserungen für die Leiharbeitnehmer. Das neue Gesetz, das im April 2017 in Kraft getreten ist, sei nicht ausreichend und werde wegen langer Übergangszeiten erst Ende des Jahres Wirkung entfalten können – wenn überhaupt.


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