Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 16 - 19 - 19.05.2016

Fachkräftelücke und Ausbildungsnot Jugendlicher passen nicht zusammen!

Nachdem sein Vorschlag, älteren Auszubildenden eine Durchhalteprämie zu zahlen, für Irritationen gesorgt hat, weist der Gelsenkirchener DGB darauf hin, dass in der Diskussion eine Vermengung verschiedener Problemlagen nicht zielführend ist. Die Durchhalteprämie ziele auf Auszubildende ab, die in fortgeschrittenem Alter nur mit großen Schwierigkeiten einen Ausbildungsplatz finden konnten. Oftmals landeten sie in weniger attraktiven Berufen, die auch den Berufswünschen und Vorstellungen nicht voll entsprächen. Der daraus resultierenden hohen Abbruchsquote soll mit der Prämie entgegengewirkt werden. „Unser Vorschlag soll bewirken, dass die Zahl der jungen Langzeitarbeitslosen zwischen 25 und 34 Jahren, die keine abgeschlossene Berufsausbildung vorweisen können, sinkt. Wir wollen damit eine zweite Chance eröffnen, die im Übrigen in Thüringen bereits erfolgreich praktiziert wird“, stellt der DGB-Vorsitzende Josef Hülsdünker klar.

Die Arbeitgeberforderung nach einem von der Stadt finanzierten Kompetenzzentrum hingegen behandelt nach Auffassung des DGB eine ganz andere Problemlage und sei überdies auch nicht zielführend. „Die 150.000 Euro, die in Gelsenkirchen die Stadt übernehmen soll, nehmen Arbeitgeber in anderen Regionen einfach selbst in die Hand und schaffen Ausbildungsmöglichkeiten für junge Leute mit der notwendigen sozialen Begleitung im Betrieb. Warum in Gelsenkirchen die Stadt ein Arbeitgeberinstitut errichten sollte, erschließt sich uns nicht“, sagt Hülsdünker. Der DGB sieht die Unternehmen selbst in der Verantwortung für die Ausbildung der von ihnen benötigten Fachkräfte, dies insbesondere auch vor dem Hintergrund der zunehmenden Klagen über den Fachkräftemangel. „Schon die Bereitstellung von Berufsfelderkundungstagen im Rahmen des Landesprojekts ‚Kein Abschluss ohne Anschluss‘ für alle Gelsenkirchener Schüler wäre eine bessere Stütze für die Gewinnung von zukünftigen Fachkräften, als ein Kompetenzzentrum mit wenig konkretem Auftrag.“

Richtig sei, dass eine Durchhalteprämie nach dem Thüringer Modell allein nicht alle Arbeitsmarkt- und sozialpolitischen Probleme lösen kann. Der vom DGB vorgeschlagene Baustein diene dazu, Menschen nicht einfach im Stich zu lassen, die aus sehr unterschiedlichen Gründen keine Ausbildung direkt nach der Schule durchlaufen konnten. „Mehr Fachkräfte erhält man aber nur durch ausreichende und hochwertige Ausbildung. Dafür müssen die Arbeitgeber endlich selber sorgen“, stellt Hülsdünker klar.

 


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